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| Veröffentlichung | 30.04.2010 |
| Highlights | Sweet Trio // Silver Heel // Moth // Before Kitchen Knives |
| Genre | Post-Core // Shoegaze |
| Sounds Like | Isis // A Place To Bury Strangers // Alcest // Khoma |
Es ist bitterkalt, es ist drei Monate am Stück stockdunkel und gelegen am Arktischen Ozean ist es per se kein Ort, der das Leben willkommen heißt: Murmansk in Russland, die Kapstadt des Nordens, berühmt für die Polarnacht und den warmen Nordatlantikstrom, der den Hafen der Stadt trotz niedrigster Temperaturen eisfrei hält. Faszinierend, oder? Komisch, dass dieses Phänomen noch keine Band zum Künstlernamen erhoben hat. Oder sagen wir besser: zum Glück. Denn jetzt, wo der Name vergeben ist, trägt ihn keine russische Schrammelpunkkapelle, sondern ein Quartett, zu dem er passt.
Allein die oben gefallenen Adjektive könnten wiederum nicht besser auf die finnischen Murmansk passen: kalt und dunkel, aber auch: warm und eisfrei. Von den mächtigen wie zähen Drums des Openers bis zum majestätischen Finaldrama von „Before Kitchen Knives“ fallen Murmansk in einen Sog, lassen sich gleiten. Man kann nicht anders, man muss mit. Jeder Moment diktiert ein neues Gefühl. Mal schlurfen sie durch pechschwarze Wälder („Sweet Trio“), bewundern Sonnenaufgänge über Eismeeren (das atemberaubend schöne „Silver Heel“) oder bestaunen in Ehrfurcht kolossale Nachtfalter, die über brennende Felder gleiten („Moth“).
Für derartige Bilder im Hirn bedarf es keines Esoterik-Trips: Murmansk gelingt es als erstes Kunststück, mit tiefschürfenden Gitarren aus dem Shoegaze, zähen Grooves aus dem Sludge, hypnotischen Bässen des Prog und Sängerin Lauras versierter Stimme tief in die Seele einzudringen und die Filmrolle fürs Kopfkino einzulegen. Kunststück Nummer zwei: Diese Platte hält trotz eines erstaunlichen Facettenreichtums ein homogener Gesamtstrang zusammen. Songs schaufeln sich erst nach der halben Spieldauer ans Tageslicht frei („Blink Your Loveless Eye“) oder grollen mit tonnenschweren Grooves, als ginge es gerade darum, dem Donnergott persönlich Paroli zu bieten („Robots In The Attic“). Nur hin und wieder, wenn kleine Längen im Songwriting aufflackern, bleibt hier Zeit zum Ausklinken.
„Eleven Eyes To Shade“ ist ein Album, das mit sich selbst im Reinen ist. Auf dem einen Wäglein das Zuckerbrot, auf dem anderen die Peitsche – und doch wiegen beide Seiten dasselbe. Und doch siegt die Zärte über die Härte. Denn bei allen düsteren Klangflächen und schweren Rythmen dieser Platte schließt der Closer „Before Kitchen Knives“ doch mit einem wohligen Gefühl. Als wäre man in Murmansk, in dem sich nach drei Monaten Polarnacht letztlich wieder Sonnenstrahlen ihren Weg durchs Eis bahnen. Da heißt es doch in russischen Städten wie in finnischen Bands: Leben, sei willkommen!












