Crookers :: Tons Of Friends

Bewertung
Veröffentlichung 12.03.2010
Highlights We Love Animals // Hold Up Your Hands // Hip Hop Changed
Genre House // Hip Hop
Sounds Like Boys Noize // Congorock // Don Rimini

Bald sind wir soweit: Plattenverkäufe interessieren kein Schwein mehr. Chef ist der, der mehr Klicks hat. Bei Facebook, bei Myspace, Hauptsache, man punktet dort, wo "sozial" und "Netzwerk" in einem Satz fallen. Moderne Mundpropoganda, sozusagen. Nun, hier ein Paradebeispiel: Crookers. Hat man schon mal gehört, meist ging's um Remixe. Und guck an: Auf ihre Myspace-Page surften schon mehr Neugierige als auf das Pendant von Coldplay. Da stellt sich doch die Frage: Crookers, wer oder was ist das eigentlich?

Zwei Mailänder, die sich schon durch das halbe Who-is-who der modernen Musikszene gemixt und gesampelt haben, als wären sie ein Industriebohrer auf der Suche nach Erdöl, das sind Crookers. Selbstverständlich, dass man bei so einer Tour-de-force Bekanntschaften macht, Connections knüpft. Fast ein bisschen zu viele, schielt man mal auf den ironischen Albumtitel. Jedenfalls ist er gut gewählt, denn das Debüt der Crookers ist genau das: Musik gewordenes Vitamin B.

Ob nun gleich im Opener Soulwax, gleich darauf Kelis oder später Miike Snow: Die Tracklist geizt nicht mit Prominenz. Und droht somit natürlich, zu einer reinen Orgie aus Features zu mutieren. Aber es klappt: „Tons Of Friends“ ist nicht nur Namedropping, die Crookers haben es sich zwischen all ihren Szenefreunden in einer eigenen Nische bequem gemacht.

Dabei ist nie ganz klar, ob hier gerade der House oder der Hip Hop den Ton angibt – jedenfalls gelingt es den Crookers, Trademarks zu setzen. Da nehmen verquere Synthies schon mal blubbernde Bässe an die Hand und hoppeln im Gleichschritt über simple Stampf-Beats. Hätten Sie es also lieber gern schräg oder doch eher stumpf? Hier gibt’s jedenfalls nur beides im Doppelpack.

Bei der erschöpfenden Dauer von 20 Tracks stellen sich schon mal gewisse Längen ein – gerade, weil Bot und Phra – um die Crookers endlich mal beim Namen zu nennen – doch hin und wieder etwas zu plump den Beat marschieren lassen. Ein paar irre wie wirbelnde Nummern der Sorte „Hip Hop Changed“ dürften da ruhig häufiger zum Aufhorchen führen. Die Crookers wollen hiermit wohl kaum in musikwissenschaftliche Seminare, sondern viel lieber direkt in den Club. Macht Sinn: Wo würde es euch wohl hinziehen, hättet ihr gleich eine ganze Tonne voller Freunde im Gepäck?