Yamon Yamon :: This Wilderlessness

Bewertung
Veröffentlichung 29.01.2010
Highlights Alonso // Wang Lee // The Darker Place
Genre Experimenteller Indiepop // Indiejazz // Slow-Core // Lo-Fi
Sounds Like American Analog Set // Death Cab for Cutie // Minus The Bear

Schön, dass es auch mal wieder eine Schwedenband gibt, die sich mal was Neues traut, die eine Tür irgendwo zwischen Indie-Pop- und Post-Rock-Räumen aufstößt. Zugegeben, für dieses Experiment haben die vier Stockholmer Jungs auch eine ganze Weile gebraucht. Seit 2008 wurde an „This Wilderlessness“ herumgewerkelt: Es wurden Gitarrenriffs bis ins Detail zu Diamanten geschliffen und winzige Schlagzeugschlaglöcher verputzt, um letzten Endes ein Album zu schaffen, das bewusst wenig Ecken und Kanten bietet, an denen man sich stoßen könnte und dennoch keine Einbußen an Komplexität macht.

Nach ihrer 4-Track-EP „Days Like Television“ (2007) sind Yamon Yamon vom Fernsehsofa aufgestanden und in die Wildnis gezogen. Poppig-leicht will sich das Quartett jetzt nicht mehr verkaufen. Irgendwie lässt sich auf dem Album kein einziger Song mit einer durchgängig vorhandenen Melodie finden. Bei den Stücken „Alonso“ und „High Class“ ist der Sound noch ein wenig dem Stil ihres gemütlichen schwedischen Wohnzimmersounds treu geblieben. Hier darf sogar der Gesang, der sonst immer im Hintergrund bleibt, mal eine Art Melodie darstellen. Von Radiotauglichkeit ist dieser Indiepop jedoch weit entfernt, denn die raumfordernden Gitarrenriffs würde der Otto-Normal-Radiohörer wahrscheinlich schlichtweg als eine Länge bezeichnen. „The Darker Place“ ist beispielsweise so ein Song, der in seiner gutherzigen Detailverliebtheit dann doch vor Virtuosität fast übersprudelt. Das ist ein Konzept, das Lust auf mehr macht. Doch leider bleiben Yamon Yamon auf der oben erwähnten Türschwelle stehen und wecken Sehnsüchte, die einfach nicht befriedigt werden wollen. So ist man quasi gezwungen, das Album immer und immer wieder hören, allein schon, um die unauffällige, sanfte Stimme Jon Lennblads endlich auch mal (für sich) entdecken zu können. Ist das Taktik?

Bei einem Blick auf die Tracklist fällt unweigerlich auf, dass eine enorme Varianz in der Songdauer besteht, die eine Spannweite von zwei bis acht Minuten umfasst.
Das lässt schon ein bisschen mehr Experimentierfreude erahnen. Doch hört man das Album in Gänze, klingt es eher einheitlich, Grenzen verschwinden schier. Sie verschlingen sich ganz und gar und man bemerkt kaum, wo ein Song an- und wo aufhört. Alle neun Tracks haben ein verbindendes Element, welches dem Album einen ganz eigenen, scheinbar unendlichen Fluss verleiht. Dieser Fluss plätschert mit einer derartigen Leichtigkeit vor sich hin und fließt dabei durch Täler, die unmöglich in der Post-Rock-Wildnis liegen könnten.

Eine sich aufdrängende Schlussfolgerung würde lauten, dass jeder Song also völlig gleich klänge. Und wie gesagt: Beim ersten Hören macht es auch tatsächlich den Anschein, dass sich das Debüt in einer etwas beschränkten Sphäre bewegt, die sich eben anfänglich nicht besonders differenzieren lässt. Um sich in „This Wilderlessness“ zurecht zu finden, braucht man etwas Erfahrung. Braucht man Zeit. Und die sollte man sich auf jeden Fall nehmen, damit man die dem Album zugrunde liegende Idee der komplexen Einfachheit begreifen und bewundern kann.