| Bewertung |
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| Veröffentlichung | 22.05.2009 |
| Highlights | Everyone Is Guilty // The Alps + Their Orange Evergreen // Gravelty Mountains of the Moon |
| Genre | Gospel // Folk // Rock // Jazz |
| Sounds Like | Animal Collective // Get Well Soon // Bright Eyes // Trail of Dead |
Familienduell, Folge 3187: „100 Leute haben wir gefragt, nennen Sie... einen typischen amerikanischen Musik-Act.“ „Madonna.“ „Ist dabei, 27 Leute, Platz 2. Was sagen Sie?“ „Bruce Springsteen.“ „65 Leute, Top-Antwort.“
Gäbe es die Sternstunden der mittäglichen Unterhaltung mit Werner Schulze-Erdel noch, so oder so ähnlich wäre diese Umfrage wohl ausgegangen. Klar, Madonna und Bruce Springsteen sind Idole der US-Gesellschaft, personifizierte „American Dreams“. Wo die Künstler für ein ganzes staatliches Selbstverständnis stehen, verblasst jedoch oftmals die Musik. Madonnas „Pop der Clubs“ und Springsteens „Rock der Träume“ zeigen nur winzige Ausschnitte dessen, was die amerikanische Musiklandschaft über die Jahrhunderte hinweg geprägt hat. Soul, Funk, Gospel, Rock, House, Jazz – die stilistische Vielfalt „typisch“ amerikanischer Musik ist immens. Die Band „Akron/Family“ hat sich von den vielfältigen Richtungen beeinflussen lassen, um mit „Set 'Em Wild, Set 'Em Free“ ein wesentlich umfassenderes Bild ihrer „United States of Music“ zu zeichnen, als Madonna und Springsteen es je könnten.
Schwer zu verorten ist dabei der Ausgangspunkt, von dem aus das Trio seine Vision angeht. Der Opener „Everyone Is Guilty“ beginnt mit einer hektischen Cowbell und Funk-Sounds, ehe eine Orgel, Streicher und ein gospelartiger Gesang einsetzen. Schließlich folgen E-Gitarren, bevor der Song zum Funk zurückkehrt und Bläser und Streicher das Stück beenden. Was sich wüst anhört, passt sehr gut zusammen, lediglich die Lyrics („Everyone is guilty of the dreamspeak spoken“) sind kryptisch. Schlagwörter wie „Nation“ und „Dream“, die sich durch das gesamte Album ziehen, lassen viel Spielraum für eigene Deutungen. Der Sound ist dagegen meist eindeutig – positiv und kraftvoll. „River“ ist beispielsweise eine fröhliche Indie-Nummer mit Upbeat und Saxofon; Bright Eyes und John Denver lassen bei „The Alps + Their Orange Evergreen“ grüßen. Da kommt Lagerfeuer-Stimmung auf. Kurz bevor das Album droht, zu seicht zu werden und den Hörer im Kitsch der Südstaaten („Set 'Em Free, Pt. 1“) zu verlieren, zeigen Akron/Family, dass die USA und ihre Musik auch eine neuere, beweglichere Seite zu bieten haben. „Gravelty Mountains Of The Moon“ beginnt wie ein modernes Konzert für Blechbläser, schräg, aber cool. Nach einer ruhigen Überleitung verliert sich die Gitarre in jazzigem Geschrammel, fast ekstatisch wird gefordert „Translate to get Right“. Das Instrumental „MBF“ liefert eine wüste Abhandlung des Rock – vom Jazzrock zu Noise – in gut drei Minuten. Bevor das Album sanft in einem Sonnenuntergang ausklingt („Sun Will Shine“), wirft „They Will Appear“ noch einmal ganz offensichtlich die Frage nach der amerikanischen Nation auf.
„Set 'Em Wild, Set 'Em Free“ ist ein musikalisch sehr vielfältiges Album, dessen Einzelteile sich trotz der zahlreichen Ideen gut zusammenfügen. Das geistige Auge klappert während der knapp 45 Minuten unzählige amerikanische Szenarien ab. Man könnte bemängeln, dass trotz der vielen verschiedenen Einflüsse ein zu positives musikalisches Bild dabei entsteht, aber die Lyrics sind längst nicht so eindeutig, sondern lassen mehrfach Kritik durchschimmern. Dennoch oder gerade deswegen ist dieses Album eines, das man gerne hört. Die Platte zeigt, dass Amerika mehr ist als nur Obama, MTV und Fast Food, und sie macht klar, dass die moderne Pop-Musik in den USA ihr multikulturelles und stilistisch vielfältiges Erbe nicht leugnen kann. In diesem Fall will sie das aber auch gar nicht, es wird zum Konzept. Und das ist gut so.












